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Document Related Technologies - Erste Adresse in Sachen Beratung
Interview mit Dr. Kampffmeyer zum Markt für Dokumenten-Management
Von Jacques Ziegler
Chefredakteur von BIT

Die Einführung von komplexen Dokumentenmanagement-, Workflow- und Knowledge-Management-Lösungen ist immer eine Herausforderung. Die anerkannte Unternehmensberatung PROJECT CONSULT schätzt hier rund 90% der Aufwände im Umfeld der Organisation. PROJECT CONSULT ist seit Jahren erfolgreich in diesem Umfeld tätig – ein Anlaß, bei dem Hamburger Unternehmen einmal hinter die Kulissen des Beratungsgeschäftes zu blicken.
Beratung ist nicht gleich Beratung
Die Begriffe Consulting und Beratung sind nicht geschützt. Vielfach verbergen sich hinter der Überschrift Beratung auch Schulungs- und Systemintegrationsunternehmen. Die PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH zieht hier ein eindeutige Trennungslinie – es werden ausschließlich Anwender bei der Strategie, fachlichen und organisatorischen Konzeption, Produktauswahl, Einführung und Abnahme von Lösungen im klassischen Sinn beraten. Die Hamburger programmieren nicht und vertreiben keinerlei Hard- oder Software. Die Leitlinie ihrer Beratung ist die absolute Produktneutralität und Herstellerunabhängigkeit. Der Geschäftsführer Dr. Ulrich Kampffmeyer sieht hierin ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum Wettbewerb. Als reines Beratungsunternehmen kommt man nicht in Konkurrenz mit Software- und Hardwareanbietern, Systemhäusern und Integratoren. PROJECT CONSULT zielt hier genau auf die kritische Lücke in DMS-Projekten: die zukünftigen Anwender haben selten Zeit, Ressourcen und Knowhow, um ein Projekt eigenständig durchzuführen, die Anbieter sind fokussiert auf ihre Produktlösung. Die Rolle des Beraters definiert sich hier als Unterstützer des Anwenders, der für eine adäquate Umsetzung der benötigten Lösung und zur Kontrolle des Anbieters das Projekt begleitet. Um diese neutrale Rolle wahrnehmen zu können, darf der Berater in keiner geschäftlichen Verbindung zum Anbieter stehen und keinerlei Produkte bevorzugen – die optimale Kundenlösung steht im Vordergrund. PROJECT CONSULT beschränkt sich hier als Spezialberatungsanbieter auf das Gebiet der Document Related Technologies – alles was mit Dokumenten zu tun. Der Leitsatz für alle Projekte ist dabei Strategie vor Organisation, Organisation vor Technik.
Das Team steht im Mittelpunkt
PROJECT CONSULT setzt intern auf ein konsequentes Informationsmanagement. Erfahrungen aus Projekten werden in Workshops und in einer KnowledgeBase auch den Kollegen zugänglich gemacht. Informationsveranstaltungen mit Herstellern, die Beobachtung des Marktes, die Mitwirkung in Standardisierungsgremien und die Fülle an erfolgreichen Kundenprojekten tragen zum Wissensaufbau bei. PROJECT CONSULT leistet sich hier als kleinere, mittelständische Unternehmensberatung nicht nur ein intensives Weiterbildungsprogramm, sondern bildet auch selbst Studienabgänger und Seiteneinsteiger zum Berater aus. Der Weg ist lang – in der Regel bleibt man drei Jahre lang zunächst Juniorberater bevor man als Berater eigene Projekte erhält. Beim Seniorberater liegt die Meßlatte ungleich höher – 10 Jahre müssen diese Kolleginnen und Kollegen bei PROJECT CONSULT in Dokumentenmanagement tätig gewesen sein. Grundlage für die kollegiale Zusammenarbeit und den praktischen Wissenstransfer ist ein „Gemischtes-Team-Konzept“ – niemand geht allein in Projekte, die Projektteams wechseln, wer heute Projektleiter ist kann morgen wieder Projektmitarbeiter sein. Zu allen Projekten gehört dann noch eine zusätzliche Qualitätssicherung nach den Grundsätzen des TQM. Dieses Konzept stellt sicher, daß sich kein Kunde nur von einem Kopf abhängig macht und daß ein gleichmäßiger Qualitätsstandard über alle Mitarbeiter, die z.T. über ganz Deutschland verteilt sind, gehalten wird. Das „Gemischte-Team-Konzept“ bezieht dabei den Kunden ein und ermöglicht so die direkte Übertragung der Projektergebnisse in die reale Welt des Kundenunternehmens.
Eine nicht ganz gewöhnliche Unternehmensberatung
Das Management-Team von PROJECT CONSULT weicht ebenfalls von traditionellen Mustern in der Unternehmensberatung ab: neben dem Chefberater und strategischen Kopf, Dr. Ulrich Kampffmeyer, stehen zwei Frauen, Karin Begemann als kaufmännische Geschäftsführerin und Silvia Kunze-Kirschner für Marketing und Personal. Nimmt man noch die englische Beteiligungsgesellschaft, PROJECT CONSULT International Ltd. in London, mit ihrer Geschäftsführerin Monika Haines hinzu, dann sind 75% des Managements von PROJECT CONSULT weiblichen Geschlechts. Dies ist nicht nur ein Unikat im DMS-Markt, sondern auch in der gesamten Beratungsbranche – und trägt offenbar sehr zum guten und kollegialen Klima bei PROJECT CONSULT bei. Es gibt noch andere Bereiche, neben der ausgefeilten Management-Strategie und dem „Gemischten-Team-Konzept“, wo sich PROJECT CONSULT vom Durchschnitt abhebt. Das Unternehmen leistet sich eine eigene Recherche-Abteilung, die die „FutureWatch“-Datenbank füllt. Hieraus entstehen auch die PROJECT CONSULT Newsletter, die der wichtigste Lieferant von Hintergrundinformationen in der Branche sind. Die Studien und Bücher von PROJECT CONSULT gelten als Grundlagenwerke der Branche, so sind z.B. auch die Codes of Practice des VOI Verband Organisation und Information in wesentlichen Teilen von PROJECT CONSULT Mitarbeitern geschrieben worden. Über die Präsenz auf Messen und Kongressen braucht man nicht eigens zu sprechen – kaum eine namhafte Veranstaltung, auf der nicht die Keynote, ein Grundsatzreferat oder ein Seminar von PROJECT CONSULT dabei ist. Nicht zuletzt haben hier das Engagement von PROJECT CONSULT beim Aufbau des deutschen Fachverbandes VOI sowie der AIIM Europe zur Popularität beigetragen.
Schwerpunkt Document Related Technologies
Der Markt für Dokumentenmanagement hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Mit ihren Analysen und Visionen war PROJECT CONSULT immer in der ersten Reihe dabei. PROJECT CONSULT postulierte 1997 den „Paradigm Shift in Document Management“, den Paradigmenwechsel der DMS-Branche, und schuf 1999 mit DRT Document Related Technologies die neue Definition für den veränderten Markt. Nicht jedoch durch die Trendeinschätzungen, sondern durch die erfolgreiche Projektarbeit hat sich PROJECT CONSULT ihren guten Ruf erarbeitet. Anfänglich hatten sich Schwerpunkte im Bereichen Banken, Versicherungen und öffentliche Verwaltung herausgebildet. Allein aus der Standardisierung von Archivsystemen für die gesamte Sparkassen-Finanzgruppe hatten sich zahlreiche Projekte unter Beteiligung von PROJECT CONSULT ergeben (z.B. LBBW, WestLB, NordLB, SIZ, DSGV, DSV, SIBW, SISWest sowie zahlreiche Sparkasseninstitute). Aber auch andere Banken wie die BhF und die Credit Suisse nahmen die Dienste der Hamburger Berater in Anspruch. Im Bereich Versicherungen hielten sich öffentlich-rechtliche Träger (z.B. BfA und LVA`s) und private Versicherungen (Albinigia, Axa, Deutscher Ring, Generali) die Waage. Ähnlich ausgewogen sah es auch mit Projekten bei Bundes- (BfF, ISB in der Schweiz), Landes- (z.B. Land Berlin) und Kommunal-Ebene (z.B. Stadt Köln) aus. In den letzten Jahren sind zahlreiche Projekte aus der Industrie und anderen Branchen hinzugekommen. PROJECT CONSULT positioniert sich mit ihren Erfahrungen als der branchenunabhängige Spezialist für alle organisatorischen Aufgaben im Umfeld der Planung, Einführung und Nutzung von Dokumenten-basierten Technologien. Die neuen Schlagworte sind hier heute eBusiness, Knowledge Management und Content Management – die organistorischen Anforderungen in den Projekten sind jedoch die gleichen geblieben.
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Interview mit Dr. Kampffmeyer zum Markt für Dokumenten-Management
„Die deutschen Anbieter sind in Punkto elektronische Archivierung einfach besser als der Rest der Welt“
Interview von Jacques Ziegler, Chefredakteur von BIT, mit Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung und Vice-Direktor für Europa des Branchenverbandes AIIM International, zu aktuellen Fragen und Trends des Dokumenten-Managements.
(BIT: Jacques Ziegler, BIT; Kff: Dr. Ulrich Kampffmeyer)
BIT:
Lieber Herr Kampffmeyer, seit einem Jahrzehnt begleiten Sie den Markt für Dokumentenmanagement und haben sich hier eine führende Position im Beratungsgeschäft erarbeitet. Wie kam es eigentlich dazu ?
Kff:
Lieber Herr Ziegler, da müssen wir noch bald weitere 10 Jahre zurück. Begonnen hat es bei mir mit Systemen für die Bildverarbeitung und Mustererkennung. Hierfür mußten wir uns am Fraunhofer-Institut Anfang der 80er Jahre noch selbst die Interfaces, Treibersoftware und Applikationen für digitale optische Speicher bauen. So richtig mit dem Thema Archivierung und Dokumentenmanagement ging es aber erst Ende der 80er los, damals waren außer FileNET, Kodak, IBM, SER und ACS noch nicht viele Anbieter Deutschland in Sicht.
BIT:
Sie haben doch selbst bei einem Anbieter begonnen ?
Kff:
Bei mehreren, ich war für Nixdorf, ACS und andere tätig, habe mich aber dann bereits 1992 entschlossen, die Fronten zu wechseln und bin in das reine, produktunabhängige Beratungsgeschäft eingestiegen.
BIT:
Angesichts der zahlreichen Produkte, die Sie entwickelt oder mitkonzeptioniert haben, wäre doch auch die Gründung einer eigenen Produkt-Company oder der Aufbau eines Systemintegrationsgeschäftes denkbar gewesen ?
Kff:
Im Prinzip ja, aber ich hatte bis 1992 zahlreiche unterschiedliche Erfahrungen in Lehre, Forschung, Hardware- und Softwareentwicklung, Software-Design, Produktmanagement, Projektleitungen, Marketing und weltweiten Vertrieb gesammelt und wollte damals näher an die Problemlösungen, an die Anwendungen, an die kulturellen Probleme des Informationsmanagements heran – daher die Gründung von PROJECT CONSULT als reines Beratungsunternehmen.
BIT:
War schon damals absehbar, daß nicht alle Unternehmen und Produkte am Markt überleben werden, ist dies einer der Hintergründe für den Wechsel vom Anbieter ins Consulting ?
Kff:
Ich weiß, ich war schon immer gut für irgendwelche wilden Prognosen, jedoch 1992 sah erstmal alles nach Aufschwung aus. Windows war einigermaßen stabil und bot eine geeignete Plattform für Imaging. Host- und Client-Server-Betriebssysteme und Anwendungen waren nicht für digitale optische Speicher ausgelegt. Workflow, Archivierung und Dokumentenmanagement waren Themen mit hoher Aktualität. Also, 1992 sah ich keinerlei Veranlassung etwas anderes als der Branche ein stürmisches Wachstum zu prognostizieren.
BIT:
Das Sie dann aber auch selbst häufig in Bezug auf die Wachstumszahlen in Frage stellten !
Kff:
Da haben Sie Recht, Herr Ziegler. Anfang der 90er gab es noch massive Probleme mit der rechtlichen Anerkennung der elektronischen Archivierung, der latente Kleinkrieg mit den Bürokraten und den Mikrofischern, dann hat Microsoft durch seine unsägliche Hinhaltepolitik und mangelnde Innovationskraft den Markt jahrelang aufgehalten – ich entsinne mich noch in den frühen Tagen von HYPARCHIV, daß wir selbst multiple Auswahllisten programmiert haben, weil dies bei Windows nicht funktionierte -, dann kam der Internet-Boom, der die zahlungskräftigen Anwender vom Investment in Dokumentenmanagement ablenkte und nicht zuletzt hat der Jahr-2000-Hype die Ausbreitung dieser Technologie massiv behindert. Ich war mit meinen Einschätzungen hie-und-da etwas zu früh dran.
BIT:
Vielleicht sollten Sie hier mal einen ehrlichen und kritischen Review über Ihre Einschätzungen schreiben ...
Kff:
... warum eigentlich nicht.
BIT:
Sie erwähnten die Rechtsunsicherheiten bei der elektronischen Archivierung, die ja auch heute noch nicht vollständig ausgeräumt sind. War nicht dieses Problem auch der Anlaß für Ihre Gründung des VOI ?
Kff:
Das war zur CeBIT 1992, der Pavillion von Nordrhein-Westfalen. Ich hatte damals versucht alle Anbieter von digitalen optischen Speichern mit der Softwarebranche und den Systemintegratoren zusammenzubringen. In der Gründungsveranstaltung hatten wir auch weit über 100 Teilnehmer, als es dann aber an die konkrete Arbeit ging, waren wir nur zu siebt – damit konnten wir knapp den Verein gründen. Der Aufbau war ein harter Job, mangels Mitgliederbeiträgen lief alles über Spenden und Pro-Bono-Arbeit. Es hat allein über 5 Jahre gedauert, bis wir die 100er Mitgliedermarke überschritten hatten. So wurde auch die Rechtsinitiative zur Anerkennung der digitalen revisionssicheren Archivierung praktisch mit Eigenmitteln der damaligen 3, 4 aktiven Hamburger Mitglieder betrieben. Wir haben die Broschüren selbst gedruckt, die Codes of Practice an langen Wochenende getippt, an Behörden, Ministerien, die Presse, Abgeordnete, Verbände hunderte von Briefen geschrieben, Artikel verfaßt, sind von einer Tagung zur nächsten gedüst und haben was nicht noch alles zur Verbreitung dieser Botschaft gemacht. Letztlich hatten wir damit Erfolg, wie das neue Zertifizierungsverfahren des VOI mit dem TüVIT und die inzwischen weite Verbeitung der elektronischen Archivierung heute zeigen.
BIT:
Trotz dieser Aufbauarbeit haben Sie 1998 nicht nur den Vorsitz niedergelegt sondern auch kurz darauf die Mitgliedschaft dem VOI aufgekündigt.
Kff:
Wissen Sie, ich hätte noch meine weiteren zwei Jahre als Vorsitzender bleiben können, aber sieben Jahre als Vorstandsvositzender waren genug. Besonders das Engagement der letzten Jahre mit der Rechtsinitiative hatte sich negativ für mein Unternehmen bemerkbar gemacht, jede Woche ein, zwei Arbeitstage für mich, dazu mein Sekretariat, unsere Redaktion und unsere Berater; viele, viele Wochenenden meinerseits für den Verband, allein 1997 habe ich 13 Vorträge zur rechtlichen Anerkennung der elektronischen Archivierung gehalten, ohne Honorar, unter dem Titel VOI, und nicht als PROJECT CONSULT. Der Effekt war lediglich, daß sich die Mitglieder beschwerten, daß ich mich nur profilieren will. Es wurde bemängelt, daß Artikel und Interviews immer nur mit meinem Namen erschienen – der VOI hatte damals keinen Werbe- oder Presseetat, die Artikel und Advertorials wurden von PROJECT CONSULT erstellt und plaziert. Niemand von den namhaften Anbietern war bereit, Ressourcen oder Bares für den Verband bereitzustellen, alle wollten immer nur Dienstleistung ohne eigenes Engagement. Und als dann noch Leute im Verband begannen, meine Arbeit unter eigenem Namen und zum wirtschaftlichen Nachteil meines Unternehmens zu verwerten, als man sogar meine Autorenschaft am Code of Practice infragestellte - da war einfach Schluß für mich.
BIT:
Sie haben aber die Verbandsarbeit nicht ganz aufgegeben, Sie sind noch immer in der AIIM Europe aktiv.
Kff:
Bereits während meiner Arbeit für den VOI habe ich mich im IMC, dem damaligen internationalen Dachverband der DMS-Anbieter engagiert und dort versucht die deutschen Interessen zu vertreten. Der IMC ging dann in die AIIM über, den weltweiten Dachverband der Anwender und Anbieter – dies ist ein wesentlicher Unterschied zum IMC und zum VOI – der Dokumenten-Management, bzw. heute der eBusiness-Branche. Die AIIM hat den Wandel der Branche, der vielen Unternehmen noch bevorsteht, rechtzeitig vollzogen und sich neu positioniert. Heute bin ich dort Mitglied des Executive Board of Directors für die AIIM Europe.
BIT:
Gab es Gründe warum Sie den internationalen Verband vorzogen und den VOI verließen?
Kff:
Einer der Gründe, mich verstärkt in der AIIM zu engagieren, war die Veränderung der Märkte, die Europäisierung, die Globalisierung. Ich konnte schlecht den Anbietern predigen, ihr müßt euch internationalisieren, um ausreichend große, überlebensfähige Märkte aufzubauen, ausreichend Stückzahlen zu verkaufen - und selbst nichts tun. Viele Probleme können nicht mehr auf nationaler Ebene gelöst werden - dies gilt auch für die elektronische Archivierung, den Dokumentenaustausch, die digitale Signatur. Ich hatte lange Jahre die Vision einer Organisationsform, bei der ein internationaler Verband wie die AIIM das Dach für die nationalen Organisationen bildet. Hierdurch können einmal die regionalen Märkte direkter durch den Verband vor Ort, die internationale Szene einschließlich der Öffnung neuer Märkte, der Rechtsproblematik und der Standardisierung vom Dachverband aus betrieben werden.
BIT:
Dieses Modell kann aber für Deutschland als gescheitert gelten.
Kff:
Dies ist leider so, Herr Ziegler. Bereits zu Zeiten des IMC war es offenbar nicht mehr möglich, diese Idee umzusetzen. Die AIIM hatte große Anlaufschwierigkeiten und besonders die Kongress- und Messeaktivitäten konnten nicht an die alten Erfolge der frühen 90er anknüpfen. Ich konnte schon wegen der Diskrepanzen zwischen AIIM und VOI nicht gleichzeitig eine verantwortliche Rolle in beiden Verbänden innehaben. In Deutschland will nun der VOI als „Voice of Information“ sich ein eigenes internationales Gesicht geben, in anderen Ländern wie England, den Niederlanden, Dänemark oder Schweden hat sich dagegen das Modell der Dachorganisation mit unabhängigen lokalen Verbänden durchsetzen können. Aber Deutschland war immer in Hinblick auf die Verbandswelt etwas schwierig – siehe hierzu nur die Geburtswehen des BitKOM aus einer Vielzahl von Splitterverbänden.
BIT:
Auf der anderen Seite haben aber die deutschen Dokumentenmanagement-Anbieter eine bemerkenswerte Erfolgsstory hingelegt. War dies nur ein Effekt des Neuen Marktes?
Kff:
Der neue Markt war sicherlich der wichtigste Motor für das Wachstum der Unternehmen, er finanzierte die Aufkäufe neuer Technologien, von Produkten, Firmen und Personal. Die Steigerung der Innovationsgeschwindigkeit hätte kaum aus eigener Kraft geschehen können. Man darf aber auch nicht die herausragenden Persönlichkeiten vergessen, die diese Unternehmen vorangepuscht haben – ein gutes Beispiel ist Gerd Reinhardt. Kleine mittelständische Unternehmen sind heute Weltfirmen, aus eigener Kraft wie SER, Ceyoniq oder iXOS, oder aber in dem sie selbst von hungrigen Börsengängern aufgekauft wurden, wie z.B. die ACS. Es ist aber nicht der Neue Markt allein. Die deutschen Anbieter sind in Punkto elektronische Archivierung einfach besser als der Rest der Welt. Unsere Mentalität, unsere überkorrekte Auffassung von Ordnung, die Wichtigkeit, die Dokumenten und der Archivierung zugemessen wird - als dies hat letztlich zu einer besonders hohen Qualität der Lösungen aus Deutschland beigetragen.
BIT:
Werden denn all diese Unternehmen überleben ? Die großen Anbieter treten jetzt auch in den Markt ein und auch in anderen Ländern finanzieren Neue Märkte Startups.
Kff:
Ein heiße Frage, aber Sie sollen eine Antwort aus meiner persönlichen Einschätzung bekommen. SER und Ceyoniq werden es in jedem Fall schaffen, Easy, iXOS, COI, ACS/GFT, Gauss, Docuware und Saperion/Win!DMS wahrscheinlich. Darunter wird’s schon enger, aber Chancen hätten noch FabaSoft, A.I.S., DocMan, IQDOQ und ein paar andere – jedoch nicht allein, nur in Kooperationen oder wenn sie sich aufkaufen lassen. Es gibt dann noch eine Reihe von anderen internationalen Firmen, die in jedem Fall uns erhalten bleiben wie FileNET, Documentum und natürlich IBM, die als Großkonzern in allen unterschiedlichen Facetten des eBusiness und Content Management mitspielen. Auch die deutschen DMS-Anbieter hätten oder haben vielleicht noch eine Chance genügend groß zu werden, Sie entsinnen sich vielleicht noch an meine Vision von der „DMS-Deutschland-AG“, dem Zusammenschluß der drei, vier führenden Anbieter mit Reduktion auf nur eine Produktfamilie und ein einheitlichen globales Vertriebskonzept ?! Viele werden aber nur als Systemintegratoren überleben können.
BIT:
Sie sprachen bereits die großen Anbieter, wie werden Microsoft, Lotus, Oracle, SAP und all die anderen wichtigen den Markt verändern ?
Kff:
Diese absehbare Veränderung des Marktes predige ich seit Jahren. Von einer Dokumentenmanagement-Branche zu sprechen, ist kaum noch möglich. Wir sprechen daher nur noch von Dokumenten-Technologien, von DRT, Document Related Technologies. Und diese Dokumenten-Technologien sind Infrastruktur, sie sind Basistechnologie, sie gehören einfach in jedes Programm, das etwas zu speichern, wiederzufinden und zu verteilen hat. Damit ist ganz klar, daß Dokumenten-Technologien von allen großen Softwareanbietern aufgesogen werden. Microsoft kommt nun mit dem Sharepoint Portal Server, besser bekannt als Tahoe. Microsoft zielt damit über Dokumentenmanagement hinaus auf das Content Management, webbasierte Technologien sind hier die Zukunft. Lotus ist schon lange mit Domino in dieses Marktsegment eingedrungen, bietet inzwischen auch Records Management und Workflow an. Der neue Discovery Service bietet einen echten Einstieg in das Knowledge Management. Microsoft und Lotus bedienen Millionen von Anwendern, nicht nur ein Zigtausend wie Anbieter der herkömmlichen DMS-Branche. Aber nicht nur Lotus und Microsoft werden sich um diesen Markt prügeln, auch Oracle als Datenbank- und Plattform-Anbieter für Weblösungen ist längst da. Im Webumfeld wurden all die Errungenschaften, die die DMS-Branche sich in den 80er und 90er Jahren mühsam erarbeitet hat, längst mit moderneren Mitteln nachprogrammiert. Traditionsanbieter wie Documentum, FileNet und andere haben mit Mühe noch den fahrenden Zug erwischt, die meisten der traditionellen Anbieter werden nur noch die Schlußlichter in der Ferne verblaßen sehen. Wir sollten auch SAP nicht vergessen. Wozu braucht der Anwender noch eine Extra-Dokumentenmanagement-Software, wenn die Funktionalität voll integriert mitgeliefert wird. So schließ sich der Kreis, Microsoft bedrängt von unten mit der Integration von Tahoe, SQL-Server und Exchange in die Office-Anwendungen, Lotus und Microsoft nutzen ihre Groupwareplattform als Speersitze in den professionellen Markt, die Datenbankanbieter machen zunehmend die alte Index-Datenbank-seperates-Repository-Architektur überflüssig, Web Content Management erfindet Dokumentenmanagement neu und dann haben wir auch noch ASP, warum selbst etwas installieren, wenn ich es doch einfach mieten kann.
BIT:
Das klingt ja nicht sehr positiv für die Branche ...
Kff:
Ja, wir haben noch zuviele Anbieter, zuviele Produkte. Andererseits haben wir zuwenig qualifiziertes Personal. Gerade die allgemeine Verfügbarkeit von Dokumenten-Technologien erhöht die Projektrisiken. Die Software kommt „out-of-the-box“ und keiner kümmert sich um eine vernünftige organisatorische Einbindung.
BIT:
Das klingt ja so, als ob Sie dem Beratungsgeschäft größere Überlebenschancen als den Anbietern einräumen ?
Kff:
Dem Beratungs- und dem Integrationsgeschäft – ja. Durch den Eintritt der großen Anbieter wird es eher mehr Arbeit als weniger. Mußte man früher sich Gedanken machen, welche Produkte man einsetzen könne, so muß man sich in Zukunft Gedanken machen, welche mitgelieferten, funktional redundanten Programme man nicht einsetzen will. Der sich abzeichnende Krieg auf den Ebenen Betriebssystem, Web-Middleware, Groupware, ERP, Publishing, Spezialanwendungen und Datenbanken um die Vorherrschaft bei den Dokumenten-Technologien wird sehr interessant werden.
BIT:
Vielen Dank, Herr Dr. Kampffmeyer.

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Seitentitel: Interview_BIT/1_2001, Zitierung: http://www.PROJECT-CONSULT.com/home.asp?SR=295
Zuletzt aktualisiert am: 4.12.2001
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