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Dokumenten-Management: wieviele Produkte braucht der Markt?
Angesichts der Konsolidierung im Markt für Dokumenten-Management stellt sich für viele Anwender die Frage, welche Software sich zukünftig durchsetzen wird. Dr. Ulrich Kampffmeyer beantwortete aktuell unsere Fragen. Er gilt als führender Berater in der Dokumenten-Management-Branche. Dr. Kampffmeyer ist Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung, Vorstandsmitglied des VOI - Verband Optische Informationssysteme e.V. - und einer der Direktoren des IMC - International Information Management Congress.
(P+P: Electronic Office; Kff: Dr. Ulrich Kampffmeyer)
P+P:
Herr Dr. Kampffmeyer, Dokumenten-Management hat sich zu Standardsoftware entwickelt. Wieviele Produkte braucht der Markt?
Kff:
Man muß hier zunächst zwischen echten Standardpaketen und individuellen, branchen- oder anwenderspezifischen Gesamtlösungen unterscheiden. Dokumenten-Management-Systeme sind nicht nur Softwarepakete, sondern besitzen eine organisatorische Komponente, die häufig übersehen wird, aber entscheidend für den Nutzen und die Wirtschaftlichkeit ist.
P+P:
Konkret, Herr Kampffmeyer, welche Überlebenschance haben deutsche Dokumenten-Management-Systeme im nationalen und internationalen Wettbewerb?
Kff:
Grundsätzlich muß zunächst gefragt werden, wieviele unterschiedliche Dokumenten-Management-Systeme für unterschiedliche Anwendungszwecke benötigt werden und welche Chancen dann deutsche Anbieter mit ihren eigenen Produkten haben. Vergleicht man die Entwicklung mit anderen Anwendungen wie Datenbanken, Tabellenkalkulationen, Textverarbeitungen usw., so ist festzustellen, daß es eine Handvoll dominierender Produkte gibt und eine schwindende Anzahl von kleinen, häufig spezialisierten Anwendungen.
P+P:
Heißt dies, daß sich ebenso wie bei den genannten Produkten das Feld der Anbieter auf drei, vier große Firmen reduzieren wird?
Kff:
Das ist für einfache Anwendungen sicherlich richtig und gilt zum Beispiel für Dokumenten-Management-Programme, die lediglich die Unzulänglichkeiten bestehender Betriebssysteme und Office Pakete ausgleichen.
P+P:
Können Sie uns hierfür ein Beispiel geben?
Kff:
Die Verwaltung von Dateien im Netzwerk mit Namen, Pfadangaben, Adressen in Gestalt von Laufwerksbuchstaben, Directories und Unterdirectories ist in größeren Netzwerken inzwischen genauso unübersichtlich geworden wie die Papierablage. Ich frage regelmäßig in meinen Vorträgen, wer sich in der Lage sieht, gezielt auf Dateien eines Kollegen zuzugreifen, der im Urlaub ist - bei den meisten Anwendern Fehlanzeige. Hier kommen derzeit komfortable Dokumenten-Management-Systeme zum Einsatz, die kontrolliert und recherchierbar die Informationen einschließlich Versionierung verwalten, sogenannte dynamische oder klassische Dokumenten-Management-Systeme.
P+P:
Neben diesen Systemen gibt es ja auch noch Archivierung, Workflow, Groupware.
Kff:
Einerseits existieren diese unterschiedlichen Kategorien heute noch, andererseits werden die verschiedenen Ansätze in Suiten zusammengeführt, oder die Produkte werden um die Eigenschaften und Funktionen der anderen Kategorien ergänzt - man spricht hier von der Konvergenz der Technologien. Wichtiger für eine Unterscheidung wird jedoch das Einsatzgebiet von DMS-Lösungen. Hier separiert sich der Markt in einfache Produkte für einfache Anwendungen und spezialisierte, leistungsfähige Werkzeuge für Hochleistungssysteme. Wenn wir das Beispiel des Verschwindens von zahlreichen Textverarbeitungsprodukten nochmals aufgreifen - die Reduktion der Anbieter von DMS-Lösungen wird sich voraussichtlich nur auf einfache Dokumenten-Management- und sogenannte Ad-hoc-Workflow-Produkte beschränken.
P+P:
Die meisten Standardsoftwareprodukte kommen aus den USA, gilt dies dann auch für die einfachen DMS-Produkte?
Kff:
Das ist richtig. Diese einfachen Tools werden irgendwann Bestandteil von Betriebssystemen und Office-Paketen sein. Der Nutzen für Einzelanwender und kleinere Arbeitsgruppen ist für solche Programme unbestritten, jedoch wird man für große oder gar unternehmensweite Dokumenten-Management-Systeme professionellere Werkzeuge brauchen. Hier sehen auch die meisten Anbieter ihre Chancen.
P+P:
In den letzten Monaten ist eine Reihe bisher unbekannter Anbieter aus den USA auf den deutschen Markt gekommen, Firmennamen wie Optika, Novasoft, Excalibur, Opentext und andere. Wir sind die Chancen solcher Anbieter?
Kff:
Diese Unternehmen müssen zunächst ihre Software in Deutsch verfügbar machen, Mitarbeiter gewinnen, eine Organisation aufbauen, Referenzkunden schaffen. Dies ist eine harte Arbeit in einem fremden Markt, der bereits mit zahlreichen Produkten bedient wird. Solche Neuankömmlige benötigen Systemhauspartner, und die meisten deutschen Systemhäuser haben bereits eine Partnerschaft oder sogar ein eigenes Produkt. Die Unternehmen, die bereits seit Jahren im deutschen Markt sind, haben es hier einfacher.
P+P:
Hierzu gehören sicherlich Firmen wie FileNet, Wang, IBM und andere?
Kff:
Man muß hier unterscheiden zwischen den spezialisierten Anbietern wie FileNet oder Eastman Software und den großen ehemaligen Hardwareanbietern, die sich zu Systemhäusern gemausert haben. Hierzu gehören neben IBM auch Data General, Bull, Digital und andere. Bei den spezialisierten Anbietern steht heute der Produkvertrieb und die Realisierung von Projekten durch Partner im Vordergrund. Von Vorteil für diese Unternehmen ist, daß sie bereits eine große Kundenbasis besitzen, die jetzt zusätzlich mit Dokumenten-Management oder Workflow bedient wird. Beim Geschäft der großen Anbieter hat jedoch auch ein erheblicher Wandel stattgefunden. Die großen Namen der Branche liefern sowohl eigene Hardware- und Softwareprodukte als auch Software und Spezialhardware von anderen Herstellern, sie bieten Projektmanagement-, Programmierungs-, Integrations- und Beratungsleistungen an - damit bewegen sie sich inzwischen auf der Ebene größerer Systemhäuser wie EDS, Debis, Software AG etc.
P+P:
Deutschland hat ja nun auch einige große Anbieter wie z.B. SNI. Wie ist die Stellung von SNI im deutschen Markt zu bewerten?
Kff:
Die meisten großen Softwarehäuser bieten die Erstellung von Lösungen auf Basis eingekaufter Tools oder Standardprodukte an. Nur SNI leistet sich in diesem Umfeld noch eine, bzw. mehrere Entwicklungen. Zu den eigenen Produkten gehören z.B. Arcis, Workparty, FileX und DocuLife. Diese stehen beim Vertrieb im Wettbewerb zu Third-Party-Produkten, und die projekt- oder branchenorientierten Divisionen integrieren auf Basis von Produkten wie C.S.E. Workflow und anderen. Es fällt Mitarbeitern von SNI hin und wieder schwer, zu entscheiden, welche Produktversion, welches Produkt, welche Kombination einem Kunden angeboten werden soll. Da SNI aber deutschlandweit vertreten ist, ein Gesamtangebot an Technik und Dienstleistung besitzt und außerdem bei zahlreichen sehr großen Kunden gut eingeführt ist, hat SNI durchaus einen respektablen Anteil am deutschen DMS-Markt.
P+P:
Wie sieht es denn nun mit den deutschen Anbietern überhaupt aus?
Kff:
Es gibt Anbieter mit eigenen Produkten, die zum Teil diese nur für eigene Projekte einsetzen. Die meisten der deutschen Anbieter arbeiten aber mit Systemhäusern zusammen, die auf Basis der Produkte Projekte durchführen. Nur so läßt sich eine eigene Entwicklung finanzieren und ein ausreichender Anteil am Markt erreichen.
P+P:
Können Sie uns hier einige wichtige Anbieter benennen?
Kff:
Im Bereich Archivierung gehören sicherlich ACS, AIS, CE, Dr. Materna, EASY, iXOS, SER, SNI, Win! - um nur wenige zu nennen - zu wichtigsten. Im Bereich Workflow ist die Auswahl geringer, hierzu gehören sicherlich Software Ley, IABG, SER und SNI.
P+P:
Es sind doch eine ganze Reihe von Anbietern. Wie sieht das „Überlebenskonzept“ dieser Firmen aus?
Kff:
Wie bereits gesagt, der Vertrieb der Produkte läuft nur zum Teil über Händler und Distributoren, zum größeren Anteil über Systemhäuser. Es handelt sich bei den Produkten nicht um Lösungen, die einfach aus dem Regal gezogen werden. Archivierung, Workflow und vergleichbare Systeme sind für den Anwender Langfristentscheidungen. Für die Anbieter heißt dies, es muß um das Produkt herum eine ganze Reihe von Dienstleistungen angeboten werden - von der Systemberatung, über die individuelle Konfiguration, Einbindung vorhandener Software, Einführungsunterstützung, Schulung, Wartung usw. Dieses Komplettangebot ist letztlich auch der Grund, warum einfache Standardprodukte in Office-Suiten die höherwertigen Produktionslösungen kaum bedrohen werden.
P+P:
Wie groß ist denn überhaupt der Markt in Deutschland, wieviele Installationen gibt es bereits?
Kff:
Die Zahlen variieren, je nachdem, welche Leistungen und Produktkategorien man hinzurechnet. Heute werden auch Groupware und Intranet zum Dokumenten-Management-Markt gerechnet, ebenso Organisationsberatung und andere Leistungen. Die Hersteller halten sich sehr bedeckt, was ihre eigenen Installationen angeht, auch werden häufig Test- oder Kleinstinstallationen genauso behandelt wie eine Installation mit 500 Arbeitsplätzen. Man kann aber davon ausgehen, daß der Markt erst zu ca. 10% gesättigt ist und daß der Anteil großer, lukrativer Lösungen erst vor uns liegt. Internationale Unternehmensberatungen wie Strategy Partners beziffern den deutschen Markt im gesamten DMS-Bereich auf ca. 1,5 Milliarden DM in 1998 - allerdings ohne genau zu sagen, was für Komponenten oder Systeme in diese Summe eingerechnet wird.
P+P:
Was würden Sie denn deutschen Anbietern empfehlen, um im Markt bestehen zu können?
Kff:
In unserer Firma haben wir so eine Faustregel: wer im Jahr 2000 nicht 2000 Netzwerkinstallationen im Markt hat, hat ein Problem. Wichtig ist aber, daß man die großen Trends berücksichtigt. Hierzu gehören die Einhaltung von Standards wie ODMA, DMA und WfMC, Einbettung von DMS-Funktionalität in betriebswirtschaftliche Anwendungen, Intranet-Fähigkeit, Kompatibilität zu Produkten auf den großen Plattformen wie Lotus Notes, Microsoft Exchange, Ausdehnung des Vertriebes ins Ausland - deshalb bauen viele der deutschen Softwareanbieter inzwischen auch ihren internationalen Partnervertrieb aus. ACS, iXOS, CE, Docunet, SER und andere sind dafür gute Beispiele. Genauso wichtig sind gute Partnerkonzepte, um die Basis des Vertriebes abzusichern. Wie viele der deutschen Anbieter sich die hierfür notwendigen Investitionen in den nächsten Jahren leisten können, muß dahin gestellt bleiben.
P+P:
Was passiert, wenn die ganz großen der Branche wie Oracle, Microsoft und IBM mit eigenen Komplettlösungen kommen?
Kff:
Sie kommen oder sind bereits da. Oracle und IBM mit Lotus besitzen bereits eigene, kombinierte DMS-Produkte, Microsoft wird nachziehen müssen. Doch ob diese Firmen die Integrationsleistung bewältigen können und das richtige Verständnis vom Markt haben, ist - abgesehen von IBM - zu bezweifeln. Um elektronische Archivierung mit schwierig zu handhabenden optischen Speichern z.B. werden sich Basistechnologie-Anbieter wie Oracle oder Microsoft nie ernstlich kümmern, dafür ist dieser Markt zu klein und zu speziell. Die elektronische Archivierung kann daher einer der sicheren „Backbones“ kleinerer Anbieter werden, auf den dann große Produktionslösungen wie Workflow oder Enterprise Document Management aufsetzen können.
P+P:
Das heißt, deutsche Anbieter haben eine realistische Chance gegen die amerikanischen Firmen?
Kff:
Deutsche Firmen sind näher am Markt, können schneller und individueller auf Kundenwünsche reagieren - ja, meines Erachtens haben professionelle deutsche Anbieter weiterhin gute Chancen.
P+P:
Vielen Dank.

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Seitentitel: Interview_EO_1998, Zitierung: http://www.PROJECT-CONSULT.com/home.asp?SR=300
Zuletzt aktualisiert am: 4.12.2001
CopyRight © 1992-2012 PROJECT CONSULT Unternehmensberatung Dr. Ulrich Kampffmeyer GmbH
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