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Die Schwergewichte groß im Kommen
Interview Zeitschrift ComputerWoche mit Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung (13.09.2006) zur DMS EXPO 2006.
(ComputerWoche: Herr Eriksdotter, CW; Dr. Ulrich Kampffmeyer: Kff)

Dr. Ulrich Kampffmeyer ist Geschäftsführer der Hamburger Unternehmensberatung Project Consult. Er ist als Berater, Buchautor und ehemaliges Mitglied des Board of Directors der AIIM International (inter- nationaler Dachverband für Enterprise Content Management) auf das Thema Dokumenten-Management spezialisiert. In einem Interview nimmt er Stellung zu Trends und Entwicklungen im ECM-Markt.
CW:
Gibt es eindeutige Trends im ECM-Markt?
Kff:
Der Markt konsolidiert sich: OpenText hat Hummingbird gekauft, IBM wird FileNet übernehmen, EMC akquiriert fast jede Woche eine neue Firma. Dadurch fallen zukünftig eine ganze Reihe von Produkten mit redundanter Funktionalität weg. Es geht inzwischen mehr um Marktanteile als um den Zukauf weiterer Funktionalität. Damit setzt sich der Trend zur Konzentration in diesem Markt fort. Es zeichnet sich eine Entwicklung wie im Bereich ERP, Textverarbeitung und Datenbanken ab: Es wird in absehbarer Zeit lediglich eine Handvoll führender Anbieter geben. Daneben werden sich nur noch jene kleinen Anbieter behaupten können, die sich mit erheblicher Spezialisierung oder Kundennähe in einem Teilbereich vom Angebot der Marktführer deutlich abheben.
CW:
Wer sind die Marktführer?
Kff:
Wer Marktführer ist, hängt auch davon ab, welche Kriterien man anlegt. Das gilt für alle Analysten, die ja auch nicht selten zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wenn man etwa, wie in der letztjährigen Forrester-Studie, den Schwerpunkt auf vorgefertigte Anwendungen – Content Centric Applications – legt, erhält man andere Resultate, als wenn man den reinen Funktionsumfang, Innovation oder Marktverbreitung beurteilt. Inzwischen kommen die führenden ECM-Anbieter nicht mehr aus dem eigentlichen Dokumenten-Management, sondern aus dem Bereich der Standard-IT-Komponenten, Hard- und Software sowie IT-Services. IBM ist schon von Anfang an dabei, verstärkt seine Aktivitäten aber in unterschiedlichen Bereichen. EMC ist erst vor Kurzem durch Aufkäufe wie Documentum und Captiva in die Führungsgruppe aufgestiegen. Neu sind Oracle und Microsoft. Microsoft setzt auf den Sharepoint Portal Server, bietet nahezu alles außer Scanning und Archivierung. Auch ohne Sharepoint Server lassen sich mit den Services im Office-Umfeld schon DM-Lösungen konfigurieren. Microsoft wird mit VISTA auch eine komplette Workflow-Plattform auf Betriebssystemebene hinzufügen. Oracle ergänzt die Datenbank-Suite 10g mit Records Management, Dokumenten- und Workflow-Management. Aus der Riege der traditionellen Anbieter ist nur noch OpenText im oberen Segment und hat seine Marktposition durch den Aufkauf von Hummingbird verstärkt. Unternehmen wie Vignette, Stellent, Interwoven, Mobius, Banctec und Hyland versuchen den Anschluss zu halten, einige von ihnen allerdings mit Schwerpunkt im amerikanischen Markt. Darunter gibt es eine Vielzahl von Anbietern mit regionaler Bedeutung oder spezialisiertem Angebot.
CW:
IBM gehört ohnehin zu den ECM-Marktführern.
Welchen Vorteil bringt FileNet für IBM?
Kff:
IBM versucht, den Markt durch Größe zu besetzen, um mit EMC und anderen mitzuhalten. Es ging auch darum, Marktanteile zu kaufen und zu verhindern, dass FileNet von einem anderen Anbieter übernommen wird. Interessant wird sein, ob IBM in Zukunft FileNet als eigenständige Unit in Konkurrenz zu den eigenen Produkten weiterlaufen lässt oder versucht, Filenet in das eigene System zu integrieren. Dann haben sie eine gewaltige Aufgabe vor sich, weil es eine hohe Redundanz zur eigenen Produktpalette gibt.
CW:
Welche Chancen haben die kleineren Anbieter im ECM-Umfeld?
Kff:
Sie werden sich nur in Nischen behaupten können. Zum einen können sie mittelständischen Unternehmen größere Nähe und damit schnelle Anpassbarkeit bieten. Zudem können sie sich besser auf spezifische Branchenanforderungen einstellen. Es gibt eine ganze Anzahl sehr spezieller Märkte wie etwa Krankenhäuser, Lösungen mit digitaler Signatur oder für die technische Dokumentation. Die Standardsysteme der Großen bieten hier keine fertigen Lösungen. Zudem können die kleineren Anbieter in Zusammenarbeit mit anderen Anbietern, etwa aus dem ERP-Bereich, komplette Branchenlösungen anbieten; da gibt es durchaus noch Spielraum unterhalb der großen Anbieter. Hier droht Konkurrenz aus einer anderen Richtung: Es gibt immer mehr Open-Source- und Freeware-Software – für kleinere Unternehmen, die selbst gern basteln, wird das zunehmend zu einer attraktiven Alternative. Es gibt durchaus professionelle Dokumenten-Management-Systeme wie Axinom und Alfresco, um beim Buchstaben A zu verweilen. Weil sie mit den großen Anbietern nicht mithalten können, haben einige kleinere Hersteller die Konsequenz gezogen, ihre Basisprodukte kostenlos anzubieten und mit Projektberatung und Realisierung ihr Geschäft zu machen.
CW:
Wie sieht die Zukunft der deutschen Anbieter aus?
Kff:
Es sind um die 20 deutsche Anbieter, die noch eine nennenswerte Rolle spielen. Von der Marktbedeutung sehe ich SER-Solutions und ELO vorn, gefolgt von Docuware, Saperion, d.velop, easy, GFT Solutions, IQDoQ, COI, OS Optimal, Win-Dream und noch ein paar andere. Einige bieten auch nahezu komplette ECM-Suiten an. Es stellt sich jedoch die Frage, ob sie die Ressourcen haben, um mit den kapitalkräftigen Marktführern mitzuhalten. Manch großer ECM-Anbieter steckt in die Entwicklung ein Vielfaches des Umsatzes eines Kleineren. Viele der kleineren Anbieter sind daher auf Partner angewiesen, mit denen man gemeinsam aus Projekten heraus neue Lösungen entwickelt. Ein Problem haben alle Kleinen: die Abgrenzung vom Funktionsumfang der großen Standardprodukte. Ein Beispiel: Ohne Schnittstelle zu Microsofts Sharepoint Portal Server kommt man kaum noch aus, andererseits besitzt dieser inzwischen zahlreiche Funktionen, für die man früher ein separates Dokumenten-Management-System benötigte. Die Basisfunktionalität wird zukünftig zur „Commodity“, zum Allgemeingut. Je mehr Microsoft im Standardumfang mitliefert, desto schwieriger wird es für die kleineren Anbieter, eigene Zusatzprodukte zu positionieren. Im Prinzip geht es nur noch um das Füllen von Lücken, etwa in den Bereichen Archivierung, elektronische Akte, Integration von E-Mail, Posteingangs- und Rechnungsbearbeitung. In den nächsten Jahren wird sich daher die Zahl der Anbieter weiter verringern. Einige von ihnen werden ihre eigenen Produkte aufgeben und zu reinen Integratoren werden. Eine ganze Reihe von Firmen suchen größere Partner oder stehen mehr oder weniger offiziell zum Verkauf.

© CopyRight bei PROJECT CONSULT und ComputerWoche 2006
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Seitentitel: Interview_CW_DMSEXPO_2006, Zitierung: http://www.PROJECT-CONSULT.com/home.asp?SR=822
Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2006
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