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Der Markt für Enterprise Content Management
Interview der Online-Zeitschrift ECMguide, mit Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung (2006).
(EG: Elisabeth Grenzbach ECMGuide; Kff: Dr. Ulrich Kampffmeyer)
EG:
Was waren für Sie die Flops und Tops auf dem ECM-Markt 2006?
Kff:
"Flops" gab es eine Menge - Aufgabe von Firmen, mäßige Veranstaltungen usw. Interessanter sind schon die "Tops". Tops in Bezug Konsolidierung - hier besonders die Übernahmen von Captiva durch EMC, FileNet durch IBM, Stellent durch Oracle und Hummingbird durch OpenText. Dies sind nur die bekanntesten - es gab weitere ca. 30 Übernahmen und das Ende ist noch nicht in Sicht. Gelungen fand ich auch in diesem Jahr die Verleihung des ddaa develop digital art award - ein Blick über den Tellerrand der Branche. Mir persönlich haben die Vorträge auf der DMS EXPO, die ContentManager.Days und die Diskussion in der CeBIT-Veranstaltung viel Spaß gemacht.
EG:
Was waren die wichtigsten ECM-Themen 2006?
Kff:
Dies ist eine Frage des Blickwinkels. Die Hersteller forcierten Themen wie Enterprise Content Management, elektronische Rechnungseingangsverarbeitung, Records Management, Information Lifecycle Management, Compliance, Service Oriented Architecture, Business Process Management. Die Anwender bewegten eher Fragen der besseren Informationserschließung, elektronische Aktenführung, Bereinigung der Speicherinfrastruktur, mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der EDV auch zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, Lösung Problematik mit E-Mails und andere. Man sieht bereits an den Begriffen, dass gern aneinander vorbei diskutiert wurde.
EG:
Wie würden Sie die Entwicklung des ECM-Marktes 2006 in einem Satz charakterisieren?
Kff:
Die weitergehende Konsolidierung, die Schaffung von ECM-Suiten mit einem breiten Funktionsangebot, der Markteintritt großer Standardsoftwareanbieter wie Oracle und Microsoft sowie die zunehmende Wandlung von Dokumenten-Technologien als Dienste und Infrastruktur veränderten den Markt.
EG:
Welche interessanten Produkte oder Technologien kamen auf den Markt?
Kff:
Es hat sich bei einigen Produkten etwas in Richtung SOA getan - neue Architekturen sind bei ECM-Lösungen auf dem Vormarsch. Gute Beispiele sind EASY, ELO, Stellent oder Braintribe. OpenSource gewinnt an Bedeutung - D.velop setzt z.B. auf Zusatzkomponenten aus dem OpenSource-Umfeld und Alfresco als eines der wichtigeren Open-Source-Dokumentenmanagement-Produkte hat jetzt mit DMC auch einen guten deutschen Integrator. Bei der automatischen Klassifikation ist jetzt die zweite Generation der Produkte marktreif und liefert wesentlich bessere Ergebnisse in der Vergangenheit. Übrigens setzen auch Anbieter außerhalb der klassischen Branche verstärkt auf Klassifikation wie z.B. Google. Interessant ist der Vorstoß von Microsoft mit MOSS 2007 und dem neuen SPS. Microsoft definiert hier den Markt neu, Dokumentenmanagement wird zum Allgemeingut. Da auch EMC, Oracle, IBM, SAP, HP, Computer Associates und andere Standardsoftwareanbieter sich verstärkt um das Thema ECM und ILM kümmern, wird sich hier ein Wettlauf entwickeln. Bereits heute finden sich kaum noch klassische DMS-Anbieter in den oberen Quadranten der Analysten - IBM, EMC, Microsoft und Oracle setzen sich auch hier durch. Nicht neu am Markt, aber inzwischen auf dem Durchmarsch, ist das PDF/A-Archivformat, das TIFF langsam ablöst.
EG:
Was werden die ECM-Themen 2007?
Kff:
Microsoft Engagement für ECM mit VISTA und Workflow, Sharepoint Portal Server und zahlreichen Zusatzprodukten, die sich bereits heute im Markt abzeichnen. Records Management wird auch in Deutschland bekannter. Zusammen mit neuen Speicherarchitekturen im Rahmen von ILM beginnt Records Management herkömmliche Archivierungsansätze abzulösen. Die elektronische Akte wird das Schlagwort der Kunden. Dabei geht es nicht um hartverdrahtete Sichten sondern virtuelle Zusammenführungen von Daten und Dokumenten. Durch die Kartenprojekte der Krankenkassen und des Bundes bekommt die elektronische Signatur etwas mehr Fahrt. Auch E-Government wird einen neuen Anlauf nehmen. Bei E-Mail geht der Trend von der reinen Archivierung zum echten integrierten E-Mail-Management. OpenSource wird sich bei herkömmlichen WCM durchsetzen. Die bisherigen WCM-Produktanbieter werden sich in Richtung Portale, E-Business und komplexere ECM-Lösungen "absetzen". Digital Asset Management wird immer mehr mit Content Management zusammenlaufen. Neue Oberflächen wie Ajax und gekapselte Dienste in SOA Service-orientierten Architekturen beflügeln dabei nicht nur Web 2.0 sondern auch zunehmend Inhouse-ECM-Systeme. Enterprise Bus Systeme und Orchestrierung der neuen Dienstelandschaften werden dabei zu den wichtigsten Herausforderungen im Jahr 2007.
EG:
Wie wird sich der Markt entwickeln?
Kff:
Der Markt wird stark wachsen. Das Wachstum wird zum Teil aber von ECM-"fremden" Anbietern und Standardprodukten im Umfeld Speichersysteme, Bürokommunikation und ERP "abgesaugt". Die Konsolidierung wird weitergehen. D.h. einige wenige große Standardsoftwareanbieter wie Microsoft, IBM und Oracle, vielleicht auch Adobe, EMC, Sun und HP, werden die Richtung des Marktes bestimmen. Aus dem Mittelfeld werden weitere Firmen aufgekauft. Der Rest spezialisiert sich auf Branchen oder Nischen, wandelt sich vom Produktanbieter zum Integrator oder Lösungsanbieter. ECM selbst wird immer mehr zum Mainstream und immer mehr Funktionalität wird in Standardsoftware übernommen: Workflow z.B. als Workflow Foundation in Microsoft Vista, als Dokumentenmanagement in Oracle 10g oder Archivverwaltung in IBM Tivoli Storage Management oder SUNs SAM-FS. Es wird in 2007 mehr Projekte geben als es seriöse Spezialisten in Punkto Beratung, Umsetzung und Einführung gibt. Bei den Projekten wird es weniger um Systeme "auf der grünen Wiese" gehen sondern vielfach um Ausbau, Migration, Wechsel in der Architektur und neue Anwendungsfelder. Das Thema Qualifizierung gewinnt auch an Bedeutung - bei Anbietern wie Anwendern, um die komplexer werdenden Lösungen einführen und betreiben zu können.
EG:
Welche Hersteller werden die Konsolidierungswelle überleben?
Kff:
Überleben werden eine Reihe von Spezialisten, die dedizierte Subsysteme und Dienste für die anderen anbieten. Alle ECM-Anbieter sind an der Verringerung der Fertigungstiefe interessiert und werden solche Dienste im Input-, Konversions-, Erschließungs- und Outputmanagement-Bereich nutzen wollen. Das Überleben ist bei den großen Standardsoftwareanbietern keine Frage. Es ist dort eher kritisch, ob und welche Produkte überleben. Die Bereinigung der Portfolios und die Zusammenführung der Aufkäufe ist hier eher das Problem. Bei größeren spezialisierten ECM-Anbietern wie OpenText, SER Solutions, EVER, Vignette, Hyland, Symantec oder Interwoven ist es eher eine Frage, ob sie aus eigener Kraft als Generalisten ein ausreichendes Wachstum generieren können. Die mittelständischen, regionalen Anbieter müssen sich neu positionieren. Hier hilft nur die Nähe zum Kunden und ein dediziertes Lösungsangebot.

© CopyRight ECMGuide 2006 und PROJECT CONSULT 2006
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Seitentitel: Interview_ECMguide_2006(3), Zitierung: http://www.PROJECT-CONSULT.com/home.asp?SR=833
Zuletzt aktualisiert am: 13.12.2006
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