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Unternehmenssoftware für den Mittelstand
Interview von Carmen Salvenmoser im Auftrag des Unternehmermagazins impulse, mit Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH, September 2008
(CS: Carmen Salvenmoser, Impulse; Kff: Dr. Ulrich Kampffmeyer)


CS:
Die großen Anbieter von Unternehmenssoftware (SAP, Microsoft, Oracle…) buhlen neuerdings um mittelständische Kunden. Woher kommt Ihrer Meinung nach dieses Bemühen? Warum sind Mittelständer für SAP & Co. jetzt interessant?
Kff:
Bei Großunternehmen und Konzernen geht es inzwischen um Verteilungskämpfe. Dies gilt besonders für SAP und Oracle im ERP- und CRM-Bereich. Microsoft fasst in diesem Segment jetzt erst Fuß. Bei den größeren Unternehmen geht es also eher um das Thema Konsolidierung und Ausbau vorhandener Lösungen. Um Wachsen zu können, müssen sich die Standardsoftwareanbieter also jenseits der TOP 1000 Unternehmen neue Märkte erschließen. Im Mittelstand ist eine große Vielfalt von Lösungen, z.T. branchenspezifisch, zu beobachten. Hier versuchen sich große Anbieter wie IBM, Oracle oder SAP – um die von Ihnen genannten aufzugreifen – mit kleineren, abgespeckten und kostengünstigeren Lösungen zu positionieren. Microsoft kommt dagegen eher von „unten“, da Microsoft mit passender Unternehmenssoftware noch einiges an Nachholbedarf hat.
CS:
Was sind die speziellen Anforderungen von kleinen und mittleren Betrieben an Unternehmenssoftware? Inwiefern lassen sich diese Anforderungen durch Produkte wie SAP überhaupt bedienen – schießt man nicht mit Kanonen auf Spatzen?
Kff:
Vielfach waren die Angebote der großen Standardsoftwareanbieter überdimensioniert und manche Mittelstands-Initiative ist auch in der Vergangenheit schon im Sand verlaufen. Der mittelständische Anwender will „ready-to-use“, also vorkonfigurierte, schnell zu installierende, einfach zu betreibende, den Geschäftszweck optimal unterstützende und dann außerdem noch möglichst preiswerte Lösungen. Der Schlüssel für einen Erfolg sind vorgefertigte Branchenlösungen, die entweder vom Softwarehersteller selbst, aber mehr noch von Integratoren und Systemhauspartnern angeboten werden. Dabei darf man nicht nur auf die prinzipielle Eignung der Software und deren Funktionsumfang blicken, sondern muss auch auf Betriebskosten, Einführungs- und Pflegeaufwand im Auge behalten. Alternativen bieten hier ASP- oder andere Outsourcing-Angebote, zukünftig auch SaaS Software as a Service. Letzteres wird für kleinere Unternehmen immer interessanter.
CS:
Welche Vorteile haben KMU, wenn sie von ihren Spezial-Systemen auf Komplett-Pakete der Großen umsteigen?
Kff:
Hier ist zunächst zu hinterfragen, was letztlich „KMU“ oder „Mittelstand“ ist, da sich hierunter Unternehmen mit 5000 wie auch ein paar Hundert, bzw. in Österreich einem Dutzend, Mitarbeitern verbergen können. So zielt auch das Interesse der großen Standardsoftwareanbieter zur Zeit auf den „gehobenen Mittelstand“, der sich eine Umstellung überhaupt finanziell und organisatorisch leisten kann. Es gibt für das Anwenderunternehmen einige strategische Vorteile, wenn man aus einer heterogenen, in Teilen vielleicht veralteten IT-Anwendungslandschaft heraus auf Komplettangebote aus einer Hand umsteigt. Operativ bürdet man sich aber auch eine Reihe von Lasten auf, die auf die Komplexität der großen Systeme zurückzuführen sind. Ein Umstieg auf Standardsoftware der großen Anbieter erfolgt häufig dann, wenn sich bestimmte Lösungspakete in einer Branche durchzusetzen beginnen oder wenn individuelle oder von kleineren Spezialanbietern erstellte Produkte an ihre Grenzen stoßen oder aber Anpassungs-, Update- und Integrationskosten vorhandener proprietärer Lösungen unkalkulierbar werden. Sinnvoll wird ein Umstieg, wenn es sich wirklich um ein für die Branche und die IT-Umgebung des Anwenders angepasstes, integriertes System handelt. Im unteren Marktsegment hat sicher Microsoft Vorteile, wenn bereits Betriebssystem-, Office-, E-Mail- und Collaborations-Umgebung positioniert werden konnten. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass Microsoft recht wenig an Unternehmenssoftware-Produkten zu bieten hat und eigentlich von den Zusatzprodukten anderer Anbieter profitiert, die Microsoft als Plattform benutzen.
CS:
Gibt es auch Nachteile, wo sind die Haken?      
Kff:
Es gibt eine ganze Reihe von Risiken, die oft im Mittelstand übersehen werden. Zum einen werden die Projekt- und Einführungskosten häufig unterschätzt. Je individueller die Anforderungen des Kunden, desto höher fallen die Anpassungskosten aus, was wieder zu erhöhten Wartungs- und Betriebskosten führt. Man findet auch die Situation, dass der Mittelständler mit einem recht günstigen Basisproduktpaket einsteigt und dann sehr schnell von den weiteren notwendigen, kostenträchtigen Zusatzkomponenten „überrascht“ wird. Auch darf man nicht übersehen, dass man als kleines Unternehmen bei einem großen Anbieter im Bereich Service, Support und Betreuung schnell zum „C“-Kunden wird. Ohne einen direkt vor Ort tätigen Integrator und Betreuer stellt der Einsatz der Standardprodukte der großen Anbieter selten einen Vorteil dar, da letztere vielfach auf die Bedienung der mittelständischen Klientel noch nicht sehr gut eingestellt sind.
CS:
Wie häufig kommt es vor, dass Mittelständer von ihren Konzern-Kunden gedrängt werden, auf Standard-Systeme umzusteigen, um den Informationsfluss zu erleichtern? Hat ein KMU dann überhaupt eine Alternative? Warum setzt man nicht auf Schnittstellen-Adapter?
Kff:
Eine Entwicklung, dass Konzerne ihre Lieferanten auf bestimmte Produkte drängen, sehen wir in nur wenigen Bereichen. Die Konzerne selbst sind vielfach intern selbst noch heterogen aufgestellt, was zum Teil auf mehr oder wenige unabhängige Standorte in verschiedenen Ländern, unterschiedliche Rechtsform von Konzernteilen, fehlende durchgängige IT-Strategien oder durch die Übernahmen anderer Unternehmen mit deren IT zurückzuführen ist. Einen größeren Einfluss sehen wir im Bereich der „Supply Chain“, wo z.B. über gleiche Systeme verteilte Produktentwicklung betrieben wird, wo Bestell- und Abrechnungswesen über Lieferantenportale abgewickelt und wo die Abnehmer-Konzerne zum Teil Durchgriff auf Qualitätsmanagement- und CRM-Reklamations-Daten verlangen. Je enger das Verhältnis und je größer die Abhängigkeit ist, desto eher orientiert man sich an den Systemen des größten Kunden. Dies betrifft aber vorrangig Produktentwurfs-, Produktentwicklungs-, Projekt-Collaborations-, Produktsteuerungs-, Produktmanagement-, Qualitätsmanagement- und Logistik-Anwendungen – also ein sehr spezielles Segment von Unternehmenssoftware, die häufig zu dem hochgradig spezialisiert ist. Hier sind wir auch nicht mehr bei Standard-Unternehmenssoftware „off-the-shelf“ sondern bei speziellen Branchenlösungen. Vielfach werden hier über gesicherte Verbindungen auch die Systeme des Abnehmers direkt mit Daten beschickt und in Teilen die Software des Kunden direkt genutzt. Dies zeigt sich z.B. bei einer Reihe von Lieferanten- und Produktentwicklungs-Portalen. Dennoch können Lieferanten durch den Einsatz der gleichen Software wie der oder die Hauptabnehmer eine Reihe von Vorteilen gegenüber ihren Marktbegleitern erreichen. Letztlich entscheidend ist, wie eng die Verzahnung der Geschäftstätigkeit von Lieferant und Abnehmer ist.
CS:
Was bedeutet es für einen Mittelständer, wenn die gesamte Unternehmenssoftware umgestellt wird? Welcher Aufwand ist damit verbunden und wie sehr beeinflusst es den laufenden Betrieb? Welche Ängste plagen Mittelständer bei so einer Umstellung?
Kff:
Wie bereits erwähnt, werden die Projekte häufig unterschätzt. Es geht nicht nur um die Höhe der Softwarelizenzen. Es betrifft den Aufwand für notwendige Anpassungen und Schnittstellen aber auch organisatorische Maßnahmen wie Prozessumstellungen, geeignetes Personal, Schulung und den zeitweilig notwendigen Parallel-Betrieb von altem und neuem System. Im kaufmännischen Bereich wollen sicherlich auch die Wirtschaftsprüfer ein Wort mitreden, weil viele Systeme aufbewahrungspflichtige Daten und Dokumente beinhalten und daher nicht einfach abgeschaltet werden können. Gerade die Überführung von laufenden Daten und Vorgängen von einem älteren System in die neue Umgebung im Rahmen einer Migration kann zu ganz erheblichen, häufig unerwarteten, zeitlichen und finanziellen Problemen führen. Auch unternehmenskulturelle Probleme zwischen den mittelständischen Unternehmenslenkern und dem Vertrieb der großen Standardsoftwareanbieter sind nicht zu unterschätzen. Hieraus rührt auch häufig die bisher zu beobachtende Zurückhaltung der KMUs in Bezug auf die großen Produkte, denn Mittelstandsangebote gab es schon viele. Eines muss aber noch erwähnt werden – in einem mittelständischen Unternehmen eine größere Software-Umstellung vorzunehmen ist immer noch deutlich überschaubarer als in einem Großkonzern - Erfolge sind hier einfacher zu erreichen.
© CopyRight bei PROJECT CONSULT 2008
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Seitentitel: Interview_impulse_2008, Zitierung: http://www.PROJECT-CONSULT.com/home.asp?SR=904
Zuletzt aktualisiert am: 9.10.2008
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