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Interview mit VDI nachrichten
Interview von Werner Brückner im Auftrag von VDI nachrichten, mit Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH, Juni 2008
(WB: Werner Brückner, VDI nachrichten; Kff: Dr. Ulrich Kampffmeyer)



Boeing liegt mit dem Dreamliner 787 mit etwa 20 Monaten im Verzug. Laut erstem Quartalsbericht 2008 soll der neue Zeitplan aber auch den erfolgreichen Abschluss der Bauteilprüfung der Höhenflosse, die notwendige Integrationsprüfung für die elektrische Leistung im Dreamliner und die Zertifizierung der Lufttüchtigkeit der "General Electric engine" ??? umfassen. (siehe auch http://www.boeing.com/news/releases/2008/q2/080423a_nr.pdf)
WB:
Herr Kampffmeyer, was schließen Sie als Experte aus dieser kurzen Passage des Quartalberichts? Wo drückt Boeing der Schuh?
Kff:
Die Entwicklung von Flugzeugen ist eine der komplexesten technologischen Herausforderungen. Jedes einzelne Teil muss für sich und im Zusammenhang mit allen anderen Komponenten geprüft und dokumentiert wird. Die Komplexität bedingt eine hochgradige Arbeitsteilung und macht die Unterstützung durch Collaborations-, Projektcontrolling- und Dokumentationssysteme erforderlich. Bereits Kleinigkeiten führen so, wenn Sie nicht rechtzeitig erkannt werden, zu erheblichen Verzögerungen. Man kann hier von einem Domino-Effekt sprechen, der schwer zu kontrollieren ist. Bei Quartalsmitteilungen wie dieser muss man natürlich auch zwischen den Zeilen lesen. Probleme gibt es offenbar auf verschiedenen Ebenen, beginnend beim Nachdesign oder Neudesign von Komponenten, Material und Anpassungen in der Fertigung bis zur Qualitätssicherung und Abnahme durch die zuständige Luftfahrtbehörde
WB:
Führen Sie diese Probleme beim US-Flugzeugbauer auf fehlende oder falsche Kollaboration mit den Lieferanten zurück?
Kff:
Bei der Collaboration muss man zunächst einmal unterscheiden zwischen den BOEING eigenen Planungs-, Fertigungs- und Qualitätssicherungsbereichen. Intern ist man in der Regel bereits gut aufgestellt. Im Rahmen des Supply-Chain-Managements werden auch die Zulieferer zunehmend elektronisch eingebunden. Die ständige Weiterentwicklung zwingt dazu, Informationen immer aktuell an die richtigen Stellen zu liefern. Angesichts der Vielzahl von Schnittstellen und Beteiligten ist eine durchgängige elektronische Unterstützung aller Prozesse mit entsprechender Nachverfolgung vielfach jedoch noch ein Wunschtraum.
WB:
Wie lassen sich solche Kollaborationsfehler vermeiden bzw. reduzieren?
Kff:
Das Hauptproblem sind immer noch vorhandene Insellösungen, die eine vollständige Übersicht und Nachvollziehbarkeit behindern. Trotz aller elektronischen Systeme, die Prozesse, Dokumentation und Zusammenarbeit unterstützen können, halte ich aber immer noch den Menschen für das schwächste Glied in der Kette. Elektronische Systeme können den Menschen gerade bei der Bewältigung der zahllosen Details und der Übersicht entscheidend unterstützen. Elektronische Collaboration gibt darüber hinaus die Möglichkeit ohne Zeitverlust ortsunabhängig alle benötigten Informationen im Zusammenhang und in der richtigen Version bereitzustellen.
WB:
Nicht nur Boeing, sondern auch Airbus, Northrop Grumann oder die Automobilindustrie leisten sich ähnliche Fehlentwicklungen. Können Sie noch auf ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit näher eingehen?
Kff:
Der Druck auf die Flugzeugindustrie durch den steigenden Wettbewerb – ähnliches gilt auch für andere Hightech-Produkte vom Auto über Satelliten bis zum Computerprozessor -  führt angesichts der Komplexität der Produkte und der hohen Qualitätsstandards quasi automatisch dazu, dass optimistisch oder „firmenpolitisch“ gesetzte Terminpläne nicht eingehalten werden können. Nur durch größere Transparenz und elektronisch unterstützte Prozesse lässt sich das Problem der Komplexität in den Griff bekommen. Der Einsatz von Colloborationswerkzeugen ist hierbei nur ein Ansatz, der für sich allein genommen, nicht überbewertet werden darf. Es geht im Wesentlichen um die Durchgängigkeit und Transparenz aller beteiligten IT-Systeme.
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Seitentitel: Interview_VDI nachrichten_2008, Zitierung: http://www.PROJECT-CONSULT.com/home.asp?SR=906
Zuletzt aktualisiert am: 9.10.2008
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