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BIT Jahresrückblick 2008 & Ausblick 2009
Die Fragen für die BIT stellte Jacques Ziegler, Chefredakteur, an Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH, Dezember 2008
(BIT: Herr Ziegler, BIT Verlag; Kff: Dr. Ulrich Kampffmeyer)


BIT:
Welche Befürchtungen, Hoffnungen oder Erwartungen - mit Blick auf die DMS/ECM-Branche - haben Sie angesichts der Finanzkrise für das kommende Jahr? :
Kff:
Die Finanzkrise wird in Deutschland starke Auswirkungen auf Anwenderunternehmen ebenso wie auf die ECM-Anbieter haben. Investitionen in Enterprise Content Management werden zurückgestellt, wenn sie keinen direkten positiven Einfluss auf Kostensenkung und Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit mit sich bringen. Dementsprechend werden Integratoren wie auch Hersteller in 2009 weniger und kleinere Projekte haben.
BIT:
Wie schätzen Sie für die nächsten Monate die Aufnahmebereitschaft und Offenheit der Unternehmen für neue Themen ein? (Gemeint sind Themen der ECM- und IT-Branche, die Sie hier auch nennen können):
Kff:
Neue IT-Themen werden es bei Anwenderunternehmen schwer haben. Da die IT-Branche jedes Jahr mit neuen Hype-Themen und Schlagworten angetreten ist, geht es bei den Anwendern eher um „Brot-und-Butter“-Themen. Hierbei spielen die Konsolidierung bestehender heterogener IT-Landschaften, die Vereinfachung des Betriebs der Systeme und die Reduzierung von Betriebskosten, eine verbesserte Integration vorhandener Anwendungen und die Beherrschbarkeit des Informationswachstums eine große Rolle. Portal- und Collaborationslösungen tragen eine Reihe von Ansätzen des Web 2.0 und Enterprise 2.0 in die Unternehmen. Angesichts immer komplexerer Systeme und steigender Wartungskosten kann SaaS Software as a Service und Outsourcing in 2009 ein größeres Gewicht erlangen.
BIT:
Die Finanzkrise verunsichert die Unternehmen. Wie sollten ECM-Hersteller darauf reagieren?
Kff:
Die ECM-Anbieter sollten gemeinsam in die Initiative gehen und verdeutlichen, dass man durch den Einsatz von ECM flexibler, schneller und wettbewerbsfähiger wird. Das Marketing der Anbieter muss zielgruppengerechter werden, die wirtschaftlichen Vorteile herauskehren und die Bedeutung des Themas dem Management der Anwenderunternehmen besser vermitteln. Die Wirtschaftskrise kann so sogar zu einer Erfolgsstory für die ECM-Anbieter werden.
BIT:
Ihre persönliche Prognose für 2009? (dies kann sich auf Nachfrage-Trends, besonders gefragte Lösungen, Technologie-Trends, Marktentwicklung oder anderes beziehen):
Kff:
Das Jahr 2009 wird für alle Unternehmen in Deutschland hart werden. IT-Lösungen, die Prozessoptimierung unterstützen und helfen, Kosten zu senken, haben aber durchaus Chancen. Dies gilt besonders für die Überwindung des Flaschenhalses der Erfassung und Erschließung von Informationen, verbesserter Nutzung vorhandener Informationen und Zusammenführung von Daten und Informationen in elektronischen Akten. Web-2.0-Technologien sind hier sicherlich einer der Treiber, die eine einfachere Nutzung von Informationen ermöglichen und die Akzeptanz beim Anwender fördern können. Das Thema Reduzierung der Komplexität von ECM-Anwendungen und Integration in vorhandene Softwarelandschaften wird zu neuen Angeboten führen. Viele Anbieter werden zu dem versuchen über den Preis den markt zu erweitern, neue Kundengruppen zu erschließen und sich gegen OpenSource und SaaS zu positionieren. Entscheidend für den Erfolg der Anbieter werden die Kundennähe, die Bereitstellung vorgefertigter Branchen- und Fachlösungen sowie die Qualität der Software und der einfache Betrieb der Lösungen sein. In Bezug auf neue Technologien werden auch Enterprise Search zur übergreifenden Informationserschließung und Records Management zur Erfüllung der ständig wachsenden rechtlichen oder Compliance-Anforderungen wichtiger werden. Enterprise Content Management geht dabei immer mehr im allgemeinen Informationsmanagement als Komponente oder Dienst auf. Man kann hier von einer „Self-fullfilling Prophecy“ sprechen – wenn ECM das Ziel erreicht hat, strukturierte und unstrukturierte Informationen zusammen zu führen, sind wir bei einem ganzheitlichen Informationsmanagement angelangt. Das Akronym ECM können wir dann sinnvoll für Enterprise Change Management verwenden. Um die bisherige Positionierung der Branche in Deutschland sanft in diese Welt zu überführen, würde es Sinn machen, zukünftig im deutsprachigen Raum für ECM-Lösungen von I&DM zu sprechen – Informations- & Dokumentenmanagement.
BIT:
Und das Jahr 2008 im persönlichen Branchen-Rückblick:
Ihr spannendstes Branchenerlebnis?
Kff:
Am spannendsten sind immer die Kunden-Projekte, von denen wir in 2008 wieder eine Reihe erfolgreich abschließen konnten. Spaß gemacht hat mir besonders die Veranstaltung mit einer nachgestellten Gerichtsverhandlung zu E-Mail- und GDPdU-Themen mit IBM auf der DMS EXPO. Richtig spannend und mit viel Arbeit verbunden war die Fertigstellung von MoReq2 und die Schaffung von Akzeptanz für diesen neuen europäischen Standard mit Roadshows und Vorträgen. Und natürlich darf nicht vergessen werden, dass es immer sehr spannend ist, welches Unternehmen wann welches andere Unternehmen übernimmt – und so gab es auch in 2008 einige spannende Übernahmen. Das EINE spannende Branchenerlebnis gab es nicht – dazu ist die Branche zu langweilig geworden.
BIT:
Auf was Sie gerne verzichtet hätten:
Kff:
Verzichtet hätte ich gerne auf mangelnde Qualität bei der Umsetzung von Lösungen in einigen unserer Projekte, auf neue Akronyme und auf unnötige Preisschlachten.
BIT:
Die größte Überraschung in der DMS / ECM-Branche:
Kff:
Etwas überrascht hat mich die Übernahme von Captaris durch OpenText. Open Text hätte besser gleich vor einiger Zeit OCE Document Technologies gekauft. Etwas überraschend war auch der Vorstoss einiger ECM-Anbieter mit dem CMIS-Standard, der iECM der AIIM und die JSR 170/JSR 283-Befürworter etwas in die Defensive drängte. Überrascht war ich auch von der negativen Einschätzung des VOI zum neuen europäischen Records-Management-Standard MoReq2.
BIT:
Die wichtigsten Investitions-Themen in 2008:
Kff:
Aus Sicht unserer Projekte wurde sehr viel in die Konsolidierung heterogener ECM-Landschaften in Bezug auf die Ausalterung und Ablösung von älteren Systemen investiert. Ein weiterer Schwerpunkt waren Posteingangs- und elektronische Aktenlösungen. Triebfeder für eine Reihe von Projekten war das Thema Compliance. Bei den meisten Lösungen werden herkömmliche Dokumentenmanagement-, Capture- und Workflow-Ansätze um Kollaboration, z.B. „E-Rooms“, ergänzt. Beim Thema Archivierung setzen sich magnetische Speichersysteme gegen die bisherigen digital-optischen WORM-Speicher durch, was auch in einer Reihe von Migrationsprojekten und Projekten zur Schaffung einheitlicher Speichersystemarchitekturen zum Tragen kam. Bei neuen Lösungen wird inzwischen auf SOA und die Unterstützung von ESB geachtet, um ECM-Komponenten als IT-Infrastruktur einsetzen zu können. Die tiefe Integration in vorhandene Systeme wird sich als Trend auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Zumindest in unseren Projekten standen ganzheitliche ECM-Lösungen im Vordergrund, die nach einem Bebauungsplan suksessive über die nächsten Jahre ausgebaut werden. Viel wurde in das Thema E-Mail-Management und Ablösung von File-Shares investiert. Ein wichtiger Faktor bei allen Investitionen war die Reduktion der Folgekosten, z.B. durch einfachen Rollout und effizienten Betrieb der Lösungen. Im Bereich der Portal-, Web- und Intranet-Lösungen wird vielfach auf eine neue Generation von Produkten gesetzt, die einfacher auch vorhandene Informationen nutzen können. Zusammengefasst kann man sagen, dass in durchgängige, ganzheitliche ECM-Systeme investiert wurde, wobei die Abgrenzung zur Funktionalität anderer vorhandener Softwaresysteme immer mehr eine Herausforderung darstellte.
BIT:
Was trieb Ihr Beratungsgeschäft in 2008 an?
Kff:
Das Beratungsgeschäft von PROJECT CONSULT hatte im Jahr 2008 sehr unterschiedliche Projekte. Das Schwergewicht lag auf der Auswahl und Einführung neuer oder ergänzender ECM-Systeme. Viele Anwender sind noch in der Findungsphase und beauftragten uns mit Vorstudien und strategischen Konzepten. Eine Reihe von Anwendern überprüften ihre bereits vorhandenen Systeme in Bezug auf Ausbaufähigkeit, IT-Strategie und Zukunftssicherheit, um sich besser auf die aktuellen IT-Trends einstellen zu können. Eine Reihe von Projekten beschäftigte sich mit Compliance-Themen und Verfahrensdokumentationen. Ein starkes Wachstum verzeichneten wir bei begleitenden Projektmanagement-, Risikomanagement-, Projektcontrolling- und Coaching-Aufgaben. Bei allen Projekten spielte das Thema „Wirtschaftlichkeit“ eine besondere Rolle. Generell ist das Interesse am Thema ECM gewachsen, jedoch werden die Projekte kleiner und die Tätigkeiten verlagern sich auf Spezialthemen und Unterstützung der Projektteams der Kunden.
BIT:
Innovationen im Jahr 2008 (Produkte oder Technologien):
Kff:
Technologisch gab es beim Thema ECM vorrangig Verbesserungen vorhandener Komponenten und Ergänzungen der Funktionalität. Nahezu alle Anbieter präsentierten SOA- (Service Oriented Architecture) und ESB- (Enterprise Service Bus) Ansätze. Das ECM-Umfeld adaptierte eine Reihe von funktionalen und technologischen Neuheiten, die aus angrenzenden Bereichen stammen wie z.B. Web-2.0-Technologien mit Mash-Ups, RSS, Community-Komponenten, Blogs etc. Viele Anbieter boten in ihren renovierten Produkten die Integration in Portale über Standardschnittstellen. Jedoch war die wichtigste Entwicklung die Verbesserung der Integration der eigenen Produkte und Suiten. ECM ist matur, daher ist auch mit Innovationen aus der Branche selbst heraus kaum zu rechnen. Innovationen die sich die Branche nutzbar macht sind z.B. kostengünstigerer Einsatz von RFID, neue Lösungen für die Verarbeitung signierter elektronische Rechnung, verbesserte Klassifikation von Inhalten, Virtualisierungstechnologien für kostengünstigere Systeminstallationen etc. Ein Bereich, in dem sich viel getan hat, sind Appliances (die leider häufig proprietäre Inseln darstellen) und SaaS (auch wenn dies in Deutschland noch nicht richtig angenommen wird). Fortschritte wurden bei der Schaffung einfacherer, intuitiver Benutzeroberflächen, die sich besonders bei integrativen elektronischen Akten positiv auswirken, erreicht.“
BIT:
Aufsteiger-Unternehmen (ECM-Anbieter) des Jahres 2008:
Kff:
Einer der Aufsteiger des Jahres ist sicher Alfresco. Mit zahlreichen neuen Systemhauspartnern macht Alfresco das Thema Open Source hoffähig. Eher als „Neueinsteiger“ auf dem internationalen Parkett muss man Unternehmen wie HP (durch den Aufkauf von Tower Software), Oracle (durch den Aufkauf von Stellent), Cisco (durch den Aufkauf mehrerer Anbieter im Bereich collaborativer Kommunikation) und Google (mit einem zunehmenden Angebot von ECM-SaaS-Komponenten wie z.B. E-Mail-Archivierung) rechnen. Den größten Marktimpetus hatte sicher Microsoft, die mit Sharepoint der gesamten Branche den Markt öffnen. Ein Blick auf Anbieter aus DACH: In Bezug auf die deutschen ECM-Anbieter darf man SAPERION als „Gartner-ECM-Quadranten-Aufsteiger“ nennen. Für die Schweiz ist sicherlich DAY als innovatives Unternehmen und Verfasser des JSR 283 Standards unter die Aufsteiger zu rechnen. Für Österreich könnte man Hyperwave als Wiederaufsteiger benennen.


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Seitentitel: Interview_BIT_2008, Zitierung: http://www.PROJECT-CONSULT.com/home.asp?SR=928
Zuletzt aktualisiert am: 10.12.2008
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