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Im Interview Dr. Ulrich Kampffmeyer
Interview von Alexander Freimark mit Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH, April 2009
(AF: Alexander Freimark; Kff: Dr. Ulrich Kampffmeyer)


AF:
Was leistet ECM?
Kff:
Drei Begriffe prägen das aktuelle Bild von ECM jenseits der allgemein akzeptierten Definition: Integration, Effizienz und Compliance. ECM als Infrastruktur zur tiefen Integration andere Anwendungen ist ein wesentlicher Trend der vergangenen Jahre, und er wird auch noch anhalten. Mit der Wirtschaftskrise sind die Effizienz der Prozesse und die Agilität der Unternehmen in den Fokus gerückt. Compliance, Risiko-Management und Governance basieren auf Records-Management, Archiven und einem durchgängigen Prozess-Management. ECM ist also im Grunde genommen ein integraler Bestandteil jeder Unternehmens-IT.
AF:
Man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass Anwender dem unternehmensweiten Management von Informationen von je her skeptisch gegenüberstehen und dem Segment nur eine mittlere Priorität einräumen. Warum ist das so?
Kff:
Der Branche ist es in der Tat kaum gelungen, das Top-Management auf Kundenseite vom hohen Stellenwert des ECM zu überzeugen. Es ist von Nachteil, wenn der direkte Nutzen für Umsatz und Ertrag nicht oder nur auf Umwegen nachzuweisen ist. Zudem gestaltet sich ECM wesentlich komplexer als ERP – vom Verständnis als auch von der Umsetzung her. Allerdings vertrete ich die These, dass die Bedeutung von ECM und ERP auf der gleichen Ebene anzusiedeln ist. Unternehmen müssen sich verändern, um weiter wettbewerbsfähig zu sein. In der klassischen ERP-IT können Sie die Effizienz kaum noch steigern, aber durch ECM bieten sich Methoden und Lösungen, um Prozesse zu beschleunigen und dadurch den Ressourcenverbrauch zu senken, um den Service zu verbessern oder die geforderte Transparenz in die Unternehmen zu bringen. Deshalb hat ECM eine Chance in der Krise, nicht jedoch die wiederholte Optimierung der Prozesse in der Finanzbuchhaltung.
AF:
Wie verändern sich die Anforderungen an Enterprise-Content-Management und die einschlägigen Lösungen durch den Siegeszug der Web-Technologien? Wird es ein ECM 2.0 geben?
Kff:
Ich halte wenig vom inflationären Gebrauch des Marketing-Begriffs 2.0, auch wenn das Web zweifellos eine wichtige technologische Plattform ist und sich auf das Informations-Management auswirkt. Wir sind es gewohnt, ständig online zu sein, Daten im Netz zu speichern und zu finden sowie Anwendungen nach Bedarf zu nutzen. Derzeit begegnen einem in der Enterprise-IT viele Schlagwörter wie „Cloud“ oder „Software as a Service“ (SaaS), und es zeichnet sich ab, dass traditionelle Paradigmen wie der fette Client in ihrem Selbstverständnis bedroht sind.
AF:
Was kann Web 2.0 konkret für das Informations-Management bedeuten?
Kff:
Für Nutzer sollten stets alle relevanten Informationen auf einen Blick, aktuell und vollständig bereitgestellt werden, unabhängig von der Quelle und des Ausgangsformats. Web 2.0 steuert hierfür Agenten, Mash-Ups, integrierte Enterprise-Suche, Kontextlogik, Taxonomien, synchrone und asynchrone Collaboration, RSS-Feeds sowie weitere Technologien bei. Etablierte Anwendungen verändern sich zu Services, die Informationen im jeweiligen Kontext zusammenstellen und dem Anwender in neuen Benutzeroberflächen präsentieren. Die Grenzen zwischen strukturierten und unstrukturierten Informationen werden eingerissen. Wenn diese Phase abgeschlossen ist, sind wir am ganzheitlichen Informations-Management angekommen. Ich muss dabei aber betonen, dass Technologie hier nur der zweite Schritt ist. Es geht um Veränderungen, um das Change-Management der Unternehmenskultur und der Prozesse.
AF:
Und was bringt Cloud Computing für ECM-Anwender im Jahre 2014?
Kff:
Derzeit sind die Auswirkungen der Cloud auf ECM noch gering, aber an den Rändern zeichnet sich Bewegung ab: E-Mailer im Web sind etabliert, Online-Collaboration ist gang und gäbe, und nun vermieten Anbieter wie Amazon oder Google Speicher und Rechenleistung in der Wolke. Die zentrale Frage dabei ist, wo letztlich die Informationen verbleiben sollen – verteilt im Netz oder unternehmensintern im Keller? Darüber entscheidet sich die Speicherung, Erschließung und Archivierung von Informationen, wobei diese stets vertraulich, sicher und verfügbar sein sollen. Abschließend beantwortet ist die Frage noch lange nicht.
AF:
Und die Lieferanten der ECM-Lösungen müssen den Weg ebenfalls einschlagen?
Kff:
Alle ECM-Anbieter, die auf ihren lokal installierten Lösungen verharren, stehen mittelfristig vor großen Herausforderungen. SaaS und die Cloud erfordern andere Ansätze bezüglich der Mandantenfähigkeit, Überwachung, Abrechnung und natürlich der Sicherheit als interne Installationen. Zudem müssen die etablierten Lizenzmodelle überarbeitet werden, für die in der Cloud kein Platz mehr ist. ECM, soviel ist aber auch klar, steckt hier noch in den Kinderschuhen.
AF:
Also sollten Anwenderunternehmen die Krise nicht aussitzen und in einigen Jahren gleich auf eine ECM-Lösung aus der Cloud setzen?
Kff:
Natürlich machen schrumpfende IT-Budgets den IT-Verantwortlichen derzeit das Leben schwer. Allerdings ist die Cloud keine Wundertüte, aus der man künftig seine ECM-Lösung bei Bedarf im Browser abrufen wird. Anwender müssen sich schon die Mühe machen, ein eigenes ECM-Konzept zu erstellen. Ohne diese Vorarbeit werden nur die alten Inseln der Informationsverwaltung ins Web hochgeladen. Wirklich geholfen ist den Unternehmen damit aber nicht.
© CopyRight bei PROJECT CONSULT 2009
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Seitentitel: Interview_ECM_2009, Zitierung: http://www.PROJECT-CONSULT.com/home.asp?SR=951
Zuletzt aktualisiert am: 7.4.2009
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